Zum Inhalt Zum Hauptmenü

LEADER Workshop in Erfurt: Selbstevaluierung als Schlüssel zur lernenden Regionalentwicklung

Nachricht, veröffentlicht am 09.07.2025 von Linus Enke

Bei einer zentralen Informationsveranstaltung am 16. Juni 2025 in Erfurt diskutierten die Thüringer Regionalmanagements über Zielerreichung, Wirkung und Zukunft des LEADER-Ansatzes. Im Fokus: die Selbstevaluierung als Werkzeug für mehr Transparenz, Qualität und strategisches Lernen in der Regionalentwicklung.

Am 16. Juni 2025 hat die Thüringer Vernetzungsstelle LEADER (THVS) die Regionalen Aktionsgruppen aus ganz Thüringen zu einer zentralen Informationsveranstaltung nach Erfurt eingeladen. Im Fokus stand das Thema Selbstevaluierung, ein zentrales Instrument zur Steuerung, Reflexion und qualitativen Weiterentwicklung regionaler Entwicklungsprozesse. Fachlich begleitet wurde die Veranstaltung von Gerald Wagner, der aktuelle Perspektiven und Rahmenbedingungen zur LEADER-Evaluierung aufzeigte.

Selbstevaluierung im LEADER-Kontext bedeutet, dass regionale Entwicklungsstrategien regelmäßig überprüft und hinterfragt werden. Dabei geht es nicht nur um die Messung von Zielerreichung, sondern um ein tieferes Verständnis für Wirkzusammenhänge, Herausforderungen und Lernchancen. Was hat sich bewährt? Wo besteht Handlungsbedarf? Welche Weichen sollten neu gestellt werden? Ziel ist es, aus Erfahrungen zu lernen, Erfolge sichtbar zu machen und zukünftige Prozesse gezielter zu steuern.

Zunächst wurde die europäische Perspektive auf LEADER skizziert. Auf Ebene der Europäischen Kommission gilt der LEADER Ansatz weiterhin als wirkungsvolles Instrument zur Förderung ländlicher Räume. Besonders hervorgehoben wurden dabei die Stärkung sozialen Kapitals, die Verbesserung der lokalen Governance sowie die Fähigkeit, nachhaltige und passgenaue Projektlösungen umzusetzen. Zugleich wurde betont, dass die Bewertung immaterieller Effekte, wie etwa Vertrauen, Netzwerkarbeit oder Innovationsimpulse, besondere methodische Anforderungen mit sich bringt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den neuen Leitlinien der Europäischen Kommission zur Evaluierung. Diese stellen drei zentrale Bewertungsebenen in den Mittelpunkt: die Entwicklung sozialen Kapitals, die Qualität der lokalen Steuerung und Entscheidungsfindung sowie die konkreten Ergebnisse und Wirkungen der umgesetzten Projekte. Diese drei Bereiche bilden die Grundlage für ein modernes und differenziertes Evaluationsverständnis, das neben quantitativen Indikatoren vor allem auch qualitative Wirkungen einbezieht.

Im Anschluss wurde die Umsetzung auf RAG Ebene in Thüringen dargestellt. Alle fünfzehn Regionalen Aktionsgruppen erfüllen die formalen Anforderungen an Monitoring und Evaluierung. Viele von ihnen haben darüber hinaus eigene Verfahren zur Selbstevaluierung etabliert, die unter anderem auf Befragungen, regionalen Kennzahlen und jährlichen Berichten basieren. Besonders positiv fiel auf, dass die aktuellen Regionalen Entwicklungsstrategien häufig klar formulierte und überprüfbare Ziele enthalten. Themen wie Nachhaltigkeit, Jugendbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement nehmen darin zunehmend eine zentrale Rolle ein.

Ein zentrales Thema in der Diskussion war der sogenannte Mehrwert von LEADER. Dieser besteht laut neuerer Erkenntnisse nicht allein in der Förderung einzelner Projekte, sondern in den strukturellen und sozialen Effekten, die durch den Ansatz ausgelöst werden. Dazu zählen unter anderem die Stärkung lokaler Netzwerke, die Erhöhung der Beteiligung, der Aufbau von Vertrauen zwischen Akteuren sowie die Entwicklung innovativer, oft kleinteiliger Lösungen, die an den tatsächlichen Bedarfen vor Ort ansetzen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass LEADER in dieser Hinsicht ein weiterhin unverzichtbares Instrument für die Regionalentwicklung bleibt.

Abschließend wurde ein Ausblick auf die Evaluierung im Rahmen des neuen GAP Strategieplans 2023 bis 2027 gegeben. Anders als in der Vergangenheit liegt der Fokus hier nicht mehr auf der Bewertung einzelner Maßnahmen, sondern auf ihrem Beitrag zur Erreichung übergeordneter Zielsetzungen. Insbesondere das Thema LEADER wird dabei weiterhin hervorgehoben, mit besonderem Augenmerk auf den sozialen und strukturellen Mehrwert. Neben harten Daten sollen dabei künftig auch qualitative Entwicklungen wie Zusammenarbeit, Engagement und Wirkung in der Fläche stärker berücksichtigt werden.

Die Veranstaltung in Erfurt verdeutlichte, wie zentral Selbstevaluierung für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung ist. Sie hilft dabei, Entwicklungen sichtbar zu machen, Lernprozesse zu ermöglichen und Projekte noch wirksamer auszurichten. LEADER bietet dafür den passenden Rahmen und bleibt auch künftig ein entscheidendes Werkzeug, um ländliche Räume aktiv und gemeinschaftlich zu gestalten.

Zum Hauptmenü